Deutscher Wetterdienst ehrt phänologischen Beobachter: Herbert Cramer beobachtet in Stadecken-Elsheim seit über 40 Jahren die Pflanzenentwicklung

Herbert Cramer (2.v.l.) erhält die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland aus den Händen von Dr. Udo Busch (2.v.r). Zu den Gratulanten zählen MdB Ursula Groden-Kranich (l.) und Ortsbürgermeister Thomas Barth (r.).

Herbert Cramer, Winzer i. R., wurde am 17.08.2017 für die langjährige freiwillige Mitarbeit im phänologischen Beobachtungsdienst des Deutschen Wetterdienstes (DWD) geehrt.

Der Deutsche Wetterdienst unterhält ein phänologisches Beobachtungsnetz mit ca. 1200 ehrenamtlichen Beobachtern im gesamten Bundesgebiet. Zusammen mit den 45 hauptamtlichen Stationen des DWD wird dadurch unter anderem die wetterdienstliche Beratung der Landwirtschaft sichergestellt. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter des DWD beobachten die Entwicklung von wildwachsenden Pflanzen und Kulturpflanzen im Jahresablauf. Dies beginnt mit der Blüte der Haselnuss im Vorfrühling und endet mit dem Nadelfall der Lärche im Spätherbst. Das phänologische Beobachtungsprogramm umfasst 48 verschiedene Pflanzen. Insgesamt können in einem Jahr 168 Beobachtungen notiert und zum Jahresende an den DWD geschickt werden. Ca. 30% der phänologischen Beobachter sind sogenannte Sofortmelder. Sie teilen die Beobachtungen ausgewählter Phasen (maximal 81) dem DWD direkt mit und zwar per Telefon, Fax, email oder online.

Deutscher Wetterdienst beobachtet Einfluss des Klimas auf die Pflanzenentwicklung
In den letzten Jahren ist das Interesse breiter Bevölkerungsschichten und der Medien an Umweltproblemen stärker geworden. Lange bevor die Klimadiskussion in Gang kam, begannen freiwillige Helfer des Deutschen Wetterdienstes - die phänologischen Beobachter - die Auswirkungen des Klimas auf die Pflanzenentwicklung in der freien Natur zu beobachten und aufzuzeichnen.
Da die Entwicklung der Pflanzen maßgeblich vom Klima gesteuert wird, lassen sich Klimaveränderungen anhand langer Datenreihen sehr gut erkennen. So beginnt z.B. der Frühling seit Ende der 80er Jahre häufig früher und die Winter werden wärmer. Dies kann man auch an den von Herrn Cramer beobachteten Daten sehen. 

Landwirtschaft profitiert von phänologischen Beobachtungen
Neben der Klimaforschung ist die Landwirtschaft naturgemäß der Hauptnutznießer der phänologischen Beobachtungen. Um den Verlauf von Pflanzenkrankheiten und –schädlingen vorhersagen zu können benötigt der DWD aktuelle Angaben zur Pflanzenentwicklung, die von den phänologischen Sofortmeldern erhoben werden. Die agrarmeteorologischen Prognosen sind eine wichtige Beratungshilfe im Rahmen des umweltschonenden Pflanzenbaus. Sie sollen verhindern, dass unsere Umwelt unnötig mit Pflanzenschutzmitteln belastet wird. Mit Hilfe phänologischer Daten werden noch viele weitere Prognosen erstellt. So gibt es spezielle Blühvorhersagen für Imker und Allergiker.

Hohe Auszeichnung für Stadecken-Elsheimer
Herr Herbert Cramer arbeitet seit 1976 als phänologischer Beobachter in Stadecken-Elsheim für den DWD. In diesem langen Zeitraum hat er mit viel Idealismus und Engagement 3846 Beobachtungsdaten notiert. Im Jahr 2007 übernahm er auch noch die Tätigkeit eines phänologischen Sofortmelders, wobei er weitere 410 Daten an den DWD meldete. Seine Beobachtungen - insgesamt 4256 - waren und sind unverzichtbarer Bestandteil der agrarmeteorologischen Beratung in Rheinhessen. Für seine ehrenamtliche Tätigkeit verlieh der Bundespräsident Herrn Cramer eine Urkunde und die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland in Anerkennung wertvoller Mitarbeit und besonderer Leistungen für die Meteorologie.  Die Auszeichnung wurde am 17.08.2017 in einer kleinen Feierstunde von Herrn Dr. Udo Busch von der Abteilung Agrarmeteorologie des Deutschen Wetterdienstes im Rathaus von Stadecken-Elsheim überreicht. Ortsbürgermeister Thomas Barth zeigte sich sehr erfreut und gratulierte Herrn Cramer im Namen der Gemeinde zu dieser hohen Ehrung und überreichte ihm als Anerkennung den gläsernen Wappenschild der Gemeinde.

(Text: DWD)